Gedanken zur politischen Bildungsarbeit bei den NaturFreunden

Ausgangslage

Die NaturFreunde sind der Umweltverband, der ökologische Anliegen mit den politischen Zielen der Arbeiterbewegung, damit auch mit gewerkschaftlichen und sozialpolitischen Fragestellungen sowie friedenspolitischen Anliegen zu verbinden sucht. Darin, sowie in unserer weit zurückreichenden Geschichte unterscheiden wir uns von anderen Umweltverbänden. Diese eigene Geschichte und besondere Stellung sollte sich auch in der eigenen politischen Bildungsarbeit wieder finden und umgekehrt sollte die eigene politische Bildungsarbeit das eigene politische Profil weiter herausstellen.

Als sozial-ökologischer und gesellschaftspolitisch aktiver Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport & Kultur sind wir zudem in vielen Lebensbereichen aktiv. Zunächst einmal vorpolitische Aktivitäten wie sanfter Tourismus, Freizeitsport und –kultur werden so ganzheitlich mit einem größeren gesellschaftlichen und politischen Zusammenhang verbunden. Hier wollen wir mit unseren Studienreisen/Stadtseminaren und Wochenseminaren zu einzelnen Politikfeldern ansetzen. Dabei können wir uns auf die lange Tradition der politischen Bildungsarbeit bei den NaturFreunden beziehen.

In der Tradition der Arbeiterbildung wurde immer auch die Notwendigkeit einer eigenständigen Bildungsarbeit mit einem eigenen dazu passenden Wertemaßstab gesehen. Der Charakter der historischen aber auch des größten Teils der aktuellen Bildungsarbeit lässt sich vielleicht so beschreiben:

– Nutzung vor allen der eigenen Ressourcen (Selbsthilfe-Aspekt),

– die selbstlernende Gruppe.

Das Format Bildungsurlaub für den Verband nutzbar machen

Wir wollen die vorhandene Bildungsarbeit um staatlich geförderte Aspekte ergänzen. Insbesondere sollten wir die Möglichkeiten nutzen, für Studienreisen/Stadtseminare und Wochenseminare zu einzelnen Politikfeldern die Anerkennung als Bildungsurlaub – oder in manchen Bundesländern auch Bildungszeit genannt – zu erlangen. Eine solche Anerkennung bestätigt die Qualität unserer Arbeit. Mit der Anerkennung besteht dann die Möglichkeit für Arbeitnehmer_innen, für die Teilnahme Bildungsurlaub/Bildungszeit zusätzlich zum Erholungsurlaub zu erhalten. Die fachlich-qualitative Anerkennung sowie die Möglichkeit zusätzlicher Bildungszeit kann wiederum Menschen außerhalb der NaturFreunde dazu bringen, sich für unsere Arbeit zu interessieren. Diese werden dann vielleicht auch einmal neue Mitglieder.

Kooperation mit Partnern der politischen Bildung und Studienreiseanbietern

Da wir als NaturFreunde (zumindest in Hamburg) kein anerkannter Trägers der politischen Bildung sind, streben wir hier eine Kooperation mit Bildungseinrichtungen und Fachveranstaltern von Studienreisen an, die rechtlich und finanziell Träger der von uns initiierten und fachlich-inhaltlich gestalteten Wochenseminare zu einzelnen Politikfeldern sowie der Studienreisen/Stadtseminare sind. Damit können wir uns auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren.

Die organisatorische Durchführung und ggf. das Einwerben von Zuschüssen, z.B. der Bundeszentrale für politische Bildung, obliegt dabei den Partnern, die rechtlich auch Veranstalter sind. Deswegen erfolgt die verbindliche Anmeldung auch bei den jeweiligen Partnern, an die auch der Teilnahmebeitrag zu entrichten ist. Den Partnern obliegt auch das in der bundesdeutschen Bildungslandschaft notwendige Anerkennen als Veranstaltung der politischen Bildung in jedem einzelnen Bundesland, sofern es dort Bildungsurlaub/Bildungszeit gibt. (In Bayern und Sachsen gibt es im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern keinen gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub für Arbeitnehmer_innen.)

Der Bildungsurlaub hat drei Charakteristika die uns interessant erscheinen:

1.) Wir können im Rahmen des seit Jahrzehnten existierenden Bildungsurlaubs Bildungsveranstaltungen anbieten, für deren Besuch ein gesetzlich gesicherter und ermöglichter bezahlter Urlaub in Anspruch genommen werden kann. Menschen, die im Arbeitsprozess stehen, können Bildungsurlaub/Bildungszeit zusätzlich zum Erholungsurlaub beantragen und ihn für ihre persönliche Weiterbildung nutzen. Das ist eine wichtige gewerkschaftliche Errungenschaft!

2.) Der Inhalt von politischer Bildung ist ausdrücklich auf gesellschaftlich-politische Themen fokussiert.

3.) Es gibt mehr oder weniger umfangreiche Förderungen: für die Teilnehmenden bezahlter Extra-Bildungsurlaub und perspektivisch für die NaturFreunde, wenn sie Bildungsurlaubsseminare zur politischen Bildung anbieten, die Möglichkeit der institutionellen Förderung. Die einzelnen Bildungsveranstaltungen müssen dabei natürlich die Kriterien erfüllen, die eine Förderung, z.B. durch die Bundes- oder die Landeszentralen für politische Bildung und weitere mögliche Zuschussgeber ermöglichen.

Das angestrebte Profil unserer politischen Bildungsarbeit

Entlang der genannten politischen Ausgangsituation der NaturFreunde könnte dementsprechend ein Profil der Bildungsarbeit aufgebaut werden, dass einerseits eine große ansprechende Themenbreite umfasst, andererseits aber mit der sozialökologischen Transformation der Industriegesellschaft und allen Facetten die damit verbunden sind, auch eine Leitorientierung für den Aufbau und die Themenauswahl bietet.

Die Mitglieder der NaturFreunde haben als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Anspruch auf Bildungsurlaub. Wir wollen hier entsprechende Angebote machen, damit Mitglieder für ihren Bildungsurlaub/ihre Bildungszeit auch auf Angebote aus dem eigenen Verband zurückgreifen können. Da dann Mitglieder aus verschiedenen Landes- und regionalen Verbänden sich gemeinsam das inhaltliche Thema der Bildungsveranstaltung erarbeiten und aneignen, kann dies zur Vernetzung und zu höherer Identifikation mit den NaturFreunden als Gesamtverband beitragen.

Mit Bildungsurlaubsangeboten politisch Interessierte außerhalb des Verbandes ansprechen und darüber hinaus für die NaturFreunde interessieren

Wir können über eigene Angebote zur politischen Bildung auch politisch Interessierte außerhalb des Verbandes ansprechen. Sie suchen häufig nach interessanten Angeboten der politischen Bildung. Diese politisch interessierten, aber häufig nicht politisch aktiven Menschen nehmen bisher bei anderen Bildungsinstitutionen, wie zum Beispiel Akademien der politischen Bildung, an Bildungsurlaubseminaren teil.

Unserer Erfahrung nach fangen viele Teilnehmende während des Seminars an, sich intensiver mit dem Seminarthema und seinen Hintergründen auseinanderzusetzen. Häufig entsteht zum Ende des Seminars ein Gefühl, hier eigentlich selbst irgendwo aktiv werden zu sollen oder zu wollen. Aus diesen Seminaren kommen die Teilnehmenden dann jedoch wieder in einen Alltag, in dem es kein an das Seminar anknüpfendes Angebot zur aktiven Mitwirken gibt. Damit dürfte sich dieses Gefühl, auch etwas tun zu wollen, schnell wieder verflüchtigen.

Hier könnten wir als NaturFreunde immer auch darauf hinweisen, dass neben der politischen Bildung auch die Möglichkeit zur Mitarbeit im Verband gegeben ist. Wir könnten also über die politische Bildungsarbeit auch politisch interessierte, aber häufig nicht gesellschaftlich oder politisch aktive Menschen ansprechen und vielleicht zum Mitmachen oder Mitglied werden anregen.